Alle Beiträge von Werner Kaufmann

Das Damenproblem

Als früherer Fernschachspieler kannte ich das Problem, das Engines mit ungleicher Materialverteilung haben. Insbesondere mit drei Figuren für die Dame kamen krasse Fehleinschätzungen vor, weil die bevorstehenden Ereignisse nicht berechnet werden können, und das Programm sich daher an die Figurenwerte (9 für die Dame, 4 für Turm etc.) halten muss. Die folgende Partie illustriert das Problem mit Stockfish 11.

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Vizemeister 1996

1996 wurde der SK Luzern Vizemeister. Vor den beiden Schlussrunden, die im noblen Genfer Ramada Crowne Plaza (oder so ähnlich) stattfanden, allerdings im tageslichtlosen Untergeschoss, hatten wir so gut wie keine Chancen auf den Titel mehr. Aber am Samstag verlor der Leader Genf völlig überraschend gegen den designierten Absteiger Mendrisio, und am Sonntag überstürzten sich die Ereignisse. Nach der Niederlage Genfs in der 8. Runde brauchten wir nur noch Schwarzweiss Bern zu schlagen…

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Lernen

Die Wahl von guten oder schlechten Eröffnungszügen korreliert stark mit der Spielstärke. Starke Spieler machen starke Züge, schwache schwache. Aber weshalb? Jeder Turnierspieler hat einen Computer, und damit die Gelegenheit, starke Züge innert wenigen Minuten einzustudieren. Und trotzdem…

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Kaffeehausschach

Die gute alte Kaffehaus-Tradition lebt stellenweise fort. Ist aber selten geworden. Im Gegensatz dazu erlebt der Kaffehausstil im Internet seine Blüte. Ich pflege morgens zum Kaffee ein paar Blitzpartien zu spielen, und treffe da regelmässig meine indische, iranische und russische Kundschaft. Und natürlich die Deutschen und die Türken, die sind zu jeder Tages- und Nachtzeit da.

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Ein Turmendspiel

Ich habe meine Partie gegen Gabiele Botta in „Keine Pläne!“ ausführlich kommentiert, aber unter anderen Gesichtspunkten. Ich erinnere mich, dass ich das Endspiel damals mit Rybka analysiert habe, was noch ziemlich mühselig war. Mit Stockfish fällt alles viel leichter, und es kommen ganz andere Varianten mit ganz anderen Bewertungen heraus. Bei der erneuten Analyse habe ich mich gewundert, wie viele Fehler ich vor nur 5 Jahren gemacht habe. Nun, die Computer konnten es damals nicht besser, und dieses Endspiel ist wirklich sehr schwierig.

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Blitzschlag

Der Denkvorgang eines Schachspielers sollte so aussehen:
– Erkennen der gegnerischen Drohungen,
– finden von Kandidatenzügen,
– überprüfen derselben,
– einen davon wählen.
Schwache Spieler scheitern meist an Punkt 1, der Drohung . Bei Grossmeistern kommt es zuweilen vor, dass sie ihren Kandidaten nicht prüfen, bevor sie ihn wählen.

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Larrys Regel

Larry Christiansen, ein früherer Mannschaftskollege von mir, hat mir immer wieder eingebläut: „check every forcing move, no matter how stupid it looks!“ Etwas präziser formuliert, und auf Deutsch, heisst das: „Schau dir jeden möglicherweise zwingenden Zug an, egal wie blöd er aussieht!“ Nicht jede Drohung ist zwingend, daher das ergänzende ‚möglicherweise‘. Sobald ich eine Kombinationsaufgabe vor mir habe, befolge ich Larrys Regel, weil mir jemand sagt, „schau hin! Es ist etwas drin!“ Praktischerweise sollte ich Drohungen ihrer Härte nach prüfen. Anfangend mit Schachs und Mattdrohungen, über Angriffe auf Dame oder Figuren, bis hin zum Bauerngewinn.

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Filtertheorie

Die Filtertheorie stammt vom britischen Psychologen Donald E. Broadbent. Sie besagt, dass Lebewesen relevante Wahrnehmungen irgendwie von irrelevanten unterscheiden, und dann die irrelevanten „wegfiltern“. Das Phänomen ist so alltäglich, dass sich die Gelehrten nur über das „irgendwie“ streiten, z.B. beim Cocktailparty-Effekt; Was ist es genau, das uns ermöglicht, aus all dem Lärm genau die Stimme jener Person heraus zu hören, die uns interessiert?

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Theoretiker

1858 trafen sich mit Anderssen und Morphy die zwei besten Spieler zu einem Match in Paris. Allgemein hatte man zwischen den beiden führenden Schachspielern dieser Zeit ein theoretisches Duell im Evansgambit und Königsgambit erwartet. Es kam anders. Die erste Partie sollte das einzige echte Theorieduell der beiden bleiben. Die nächsten drei Partien wurden Spanisch eröffnet, dann ging Anderssen als Schwarzer zu Skandinavisch und Sizilianisch über. Mit Weiss spielte er zum Schluss dreimal 1.a3, woraus jeweils ein Sizilianisch im Anzug entstand.

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Kästchen bauen

Ich mokiere mich gelegentlich über Systemspieler. Das sind Spieler, die eisern ihrer Schablone folgen, egal, was der Gegner macht. Am besten zu beobachten in der Philidor-Verteidigung, im Colle-System, oder Jussupows Zukertort-Eröffnung. Auch der Hippopotamus gehört dazu, ist aber objektiv weniger gesund als oben genannte Eröffnungen.

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Genauigkeit

In meinem Buch „Berechnung im Schach“ kommentiere ich die Partie Capablanca – Tartakower ausführlich. Ich versuche in der Analyse zu zeigen, ob und wie meine Kriterien zur Zugwahl geholfen hätten, die Fehler und Ungenauigkeiten zu vermeiden. Neuerdings kann man auf lichess.org gratis Genauigkeitsanalysen anfordern. Diese werden in etwa einer Minute erstellt und treffen öfters nicht den Kern der Sache. Trotzdem, sie schätzen die Qualität der gemachten Züge einigermassen realistisch ein.

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Der Alpha Zero Bauer

In den 60-er Jahren erregte Bent Larsen Aufsehen, weil er öfters einmal mit dem h-Bauern los sprintete. In neuerer Zeit ist der h-Bauer vor allem durch das ‚here comes Harry‘ des ‚GingerGM‘ Simon Williams bekannt geworden. Nachdem nun auch Alpha Zero eine Vorliebe für den Zug h2-h4 entwickelt hat, wird der Zug in jeder erdenklichen Lage gemacht. Viele dieser Ideen sind uralt, werden aber als neu verkauft. So auch in dieser Partie.

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Alapin-Spanisch

Es ist keine Schande, wenn Sie die Alapin-Variante im Spanisch nicht kennen. Sie stammt von Simon Alapin, der sie zwischen 1896 und 1900 16-mal mit recht guten Ergebnissen anwandte. Magnus Carlsen hatte damit 2014 in Norwegen – offenbar unter dem Radar der Öffentlichkeit – eine Blitzpartie gegen Sergei Karjakin gewonnen, und in der Pro-League 2018 wendete er sie zweimal an. Er gewann beide Partien.

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Angriffsprimat

Ich schreibe in „Keine Pläne!“ vom ‚Angriffsprimat‘, was heissen soll, dass Angriffszüge gegenüber Entwicklungszügen den Vorrang haben. Normalerweise sind in der Eröffnung die Angriffszüge auch Entwicklungszüge. Das stimmt aber nicht immer, und genau dann tritt das Angriffsprimat in Kraft. Diese Idee teste ich in meinen Blitzpartien mehr oder weniger konsequent aus. In der vorliegenden Partie dachte ich beim 7. und 8. Zug, dass ich nun schon langsam anfange zu spinnen…

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Königsindisch

Computerprogramme bewerten Raumvorteil – meiner Meinung nach zu Unrecht – mit ca. 0.3-0.4 Bauerneinheiten. Deswegen sehen sie Weiss immer mit etwa +0.5 im Vorteil. Ausserdem ’sehen‘ sie den konkreten kurzfristigen Vorteil am Damenflügel, missachten aber den langfristigen schwarzen Königsangriff. Dass Königsindisch lebt, beweisen Weltklassespieler wie Hikaru Nakamura immer wieder. Insbesondere Viktor Bologan hat Entscheidendes zur Theorie dieser Verteidigung beigetragen. Seine 400-seitige Königsindisch-Bibel ist das Mass aller Dinge. Königsindisch weiterlesen

Drachen

Der Drachen ist im modernen Fernschach eine der erfolglosesten Eröffnungen überhaupt. Auch im Nahschach sind die statistischen Werte nicht berauschend. Trotzdem hat der Drachen eine eingeschworene Fangemeinde. Ein echter Drachenspieler bleibt seiner Eröffnung ein Leben lang treu und feilt immer an seinen Theoriekenntnissen. Der Drachen ist wegen seiner taktischen Natur für aufstrebende Spieler eine hervorragende Waffe. Drachen weiterlesen

Partiensammlungen

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Endspielanalysen

André Chéron, Lehr- und Handbuch der Endspiele. Alle vier Bände zusammen. Engelhardt, Berlin 1970. Rotes Leinen. € 120.00

Edmar Mednis, Stratecic Themes in Endgames. Second Edition, Coraopolis, Pennsylvania 1991. Softback 124 S. € 10.00

Edmar Mednis, Endspiel-Training. Nicht nur für Anfänger. Beyer, Hollfeld 1998. Hardcover 226 S. € 17.80

Federau / Bachmann / Seidel, Dame gegen zwei Türme im Mittelspiel und Endspiel. Verlag für Schachtheorie, Berlin 1993. Hardcover 135 S. € 28.00

Lothar Nikolaiczuk, Endspieltechnik à la Bobby Fischer. Dreier, Mannheim 1990. Broschur 74 S. € 6.00

John Nunn, Taktische Schachendspiele. Falken, Niedernhausen 1985. Softback 200 S. € 12.00
Ein Klassiker.

Mihai Radulescu, finaluri compexe in Sah. Bukarest 1978, Softback 232 S 10.00

Jon Speelman, Analysing the Endgame. Practical endings studied in depth. Batsford, London 3rd revised edition, 1997 Softback 172 S € 15.00

Läufer / Springer

I.L. Rabinowitsj, Paard- en Loperenindspelen. De Tijdstroom, Lochem, Ohne Jahr (ca. 1930). Leinen 114 S.. € 15.00

Egon Varnusz, Läufer gegen Springer. Harri Deutsch, FFM / Thun 1993, Softback 184 S,. € 6.00