Sizilianisches Vierspringerpiel

Kennen Sie den Namen „Sizilianisches Vierspringerspiel überhaupt? Nein? Kein Wunder. Aber es hätte bereits 15’000 Mal im Turnier vorkommen können. Ist es hinwiederum auch nicht, denn meistens leiten die Weiss-Spieler in andere Varianten über und mir liegen nur rund 2’000 Partien vor.

Ich-Er, Blitz 3+0

1.e4 c5 2.Sf3 e6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 Sc6 6.Sxc6 bxc6 7.e5 Sd5 8.Se4 Dc7 9.f4 Db6 10.c4 Lb4+ 11.Ke2 La6 12.Kf3 f5 13.exf6 Sxf6 14.c5 Lxc5 15.Sxc5 Lxf1 16.Sa4 Lxg2+ 17.Kxg2 1-0

1.e4 c5 2.Sf3 e6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 Sc6

Das hier ist meine heutige Frühstücks-Kaffeepartie und der Grund weshalb ich auf diesen Zug zurück komme. Ganz früher spielte ich hier einfach 6.Sdb5.

In einem Drittel meiner Partien kam dann 6…Lb4 7.a3 Lxc3+ 8.Sxc3 d5 9.exd5 exd5 10.Ld3 mit etwas Vorteil für Weiss. Ich bin kein Freund solcher Varianten. Weshalb sollte Schwarz nach ein paar Zügen das Läuferpaar abgeben und einen Isolani in Kauf nehmen? Nur um ein wenig zu vereinfachen?

Zwei Drittel meiner Gegner lenkten mit 6…d6 7.Lf4 e5 8.Lg5 ins Sweschnikow über. Die Rechtfertigung für diese Zugfolge liegt darin dass Schwarz im Vergleich zum normalen Sweschnikow 1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 e6 6.Sdb5 d6 die Züge 7.Sd5 und 7.a4 vermeidet. Vor allem 7.Sd5 ist durch die WM Partien Caruana-Carlsen 2018 mit der Zugfolge 7.Sd5 Sxd5 8.exd5 Sb8 9.a4 bekannt geworden.

Bei Topspielern kam in den letzten Jahren 6.a3 in Mode, was in verschiedenste Systeme transponieren kann. Ich selber ziehe scharfe Hauptvarianten vor, weil in meiner Liga die Gegner in solchen öfters einmal zu patzen belieben. 6.a3 ist ganz offensichtlich nicht dazu geeignet, eine scharfe Variante zu produzieren.

6.Sxc6 bxc6 7.e5 Sd5 8.Se4

Selbstverständlich kann ich hier mit 8.Sxd5 cxd5 9.Ld3 eine ausgeglichene Stellung haben, will es aber nicht. Der Textzug ist etwa 2000 Mal vorgekommen und das eigentliche Sizilianische Vierspringerpiel. Es wurden an dieser Stelle verschiedene Züge ausprobiert.

8…f5 9.exf6 Sxf6 10.Sd6+ Lxd6 11.Dxd6 La6 12.Lxa6 Da5+ 13.Ld2 Dxa6 halte ich nicht für besonders gut, ist aber trickreich weil Schwarz gerade beide Rochaden verhindert. Der beste Zug ist hier 14.f3 was erst mal Se4 nicht zulässt. Nach etwa 14…O-O-O 15.Lf4 Kb7 hat Weiss gutes Spiel und kann sich sogar 16.O-O-O überlegen.

8…Da5+ 9.c3 La6 ist eine weitere Option. Sofort 8…La6 wäre übrigens schlecht wegen 9.c4. Nach 8…Da5+ 9.c3 La6 10.Lxa6 Dxa6 11.b3 nebst baldigem c4 müsste Weiss etwas im Vorteil sein.

8…Lb7 9.c4 Sb4 10.c5 Db8 11.f4 sieht etwas seltsam aus, ist aber wegen 11…La6 und späterem Prachtsspringer auf d5 gut spielbar.

8…Dc7 9.f4 Db6 10.c4 Lb4+

10…Se3 11.Dd3 ist weniger beliebt.

11…Lb4+ 12.Ld2 La6 13.Lxb4 Dxb4+ 14.Kf2, und denjenigen, die hier mit 14…Dxb2+ 15.Le2 Sxc4 zwei Bauern geschnappt haben ist das nicht gut bekommen.

Gegen 11…Sf5 hat schon Garry Kasparow 12.g4 Sd4 13.Lg2 h5 14.g5 als Bestes empfohlen.

11.Ke2 La6?

Ein beliebter Fehler. In meiner Blitzpraxis haben nur Zwei von Neun das korrekte 11…f5 12.exf6 Sxf6 13.Le3 gefunden. Die Theorie empfiehlt hier 13…Dd8 14.Sd6+ Lxd6 15.Dxd6 Lb7.

Dass das ein Fehler ist, wusste ich bis vor ein paar Tagen noch nicht. Man lernt nie aus.

12.Kf3 f5 13.exf6 Sxf6 14.c5

Der Kracher. Darauf sind schon ein paar Prominente hereingefallen. Wären, muss ich sagen. Denn bisher hat praktisch Jeder nach 14…Da5 das ebenfalls durchaus starke 15.Sxf6+ gespielt, anstatt mit 15.Sd6+ Ke7 16.Lxa6 Dxa6 17.Le3 in fast schon entscheidenden Vorteil zu kommen.

Mein Gegner machte den Zweitbesten.

14…Lxc5 15.Sxc5 Lxf1 16.Sa4

Die Pointe.

16…Lxg2+ 17.Kxg2 1-0

Hier geschah das Unfassbare; Mein Gegner gab auf. Nicht, dass es etwa nicht aufgabereif gewesen wäre. Aber er hat immerhin zwei Bauern für die Figur und gerade im Blitz kann man das durchaus noch spielen. Im Internet werden ja ansonsten total verlorene Stellungen bis zum Matt ‚verteidigt‘.