Kästchen bauen

Ich – Er, Bitz 3’+2“
1.e4 g6 2.d4 Lg7 3.Sc3 d6 4.Le3 Sd7 5.Dd2 h6 6.O-O-O a6 7.f4 e6 8.Sf3 Se7 9.h4 b6 10.h5 Lb7 11.hxg6 Sxg6 12.f5 exf5 13.exf5 Se7 14.Ld3 Sf6 15.Lxh6 Lxh6 16.Txh6 Txh6 17.Dxh6 Seg8 18.Dg5 Kd7 19.Se5+ dxe5 20.dxe5 Sd5 21.e6+ fxe6 22.fxe6+ Kc6 23.e7 Dd6 24.Le4 Sxe7 25.Sxd5 Sxd5 26.Txd5 1-0

1.e4 g6 2.d4 Lg7 3.Sc3 d6 4.Le3 Sd7 5.Dd2 h6 6.O-O-O a6 7.f4 e6 8.Sf3 Se7

Ich hatte mich über 5…h6 ein wenig gewundert, aber jetzt wusste ich, worauf er hinaus wollte. Ein System-Spieler also, ein Kästchenbauer. Wer behauptet, nie gegen einen Kästchenbauer verloren zu haben, lügt. Im Blitz braucht man womöglich einen Haufen Zeit, um das Kästchen aufzubrechen. Zeit, die einem dann möglicherweise fehlt. Oder man versucht den falschen Durchbruch und fällt auf einmal hinten auseinander.

Ich selber habe irgendwann und irgendwo einmal eine Turnierpartie gegen den klassischen Hippopotamus verloren, den mir ein polnischer Schachspieler – allerdings mit Weiss – vorgesetzt hat. Er hat fast ausschliesslich Hippo gespielt und es damit immerhin zum IM gebracht. Seinen Namen habe ich allerdings vergessen, oder eben verdrängt, weil ich verloren hatte, wie es ein Psychologe vermuten würde. Polnische Namen sind nicht einfach zu behalten, Kowalski oder Janowski hiess er jedenfalls nicht. Ich habe einmal gegen Frau Bartel, geborene Przeździecka gewonnen, aber das half auch nicht, diesen Namen zu behalten. Nebenbei bemerkt, habe ich mit einer Art Hippo sogar den grossen Kortschnoi beinahe zu Fall gebracht.

Systemspieler machen ihre Systemzüge, koste es, was es wolle. Deshalb ist es eine gute Strategie, auf Systeme etwas parat zu haben, worauf die Systemzüge nicht gut sind. Das war bisher schlecht möglich, weil er sein System gut maskiert hatte. Aber jetzt wusste ich ja Bescheid und spielte ohne zu zögern 9.h4, weil ich mir sicher war, dass nicht 9..h5 kommen würde.

9.h4 b6??

9…h5 ist obligatorisch, und danach habe ich nichts Konkretes vorzuweisen. Aber er baut halt lieber sein Kästchen fertig.

10.h5 Lb7 11.hxg6 Sxg6 12.f5 exf5 13.exf5 Se7

Ich stehe komplett auf Gewinn. Hier überlegte ich an 14.Lxh6 und verwarf es wegen 14…Sxf5. Ich hätte 15.Te1+ Kf8 16.Lxg7+ Kxg7 17.Txh8 Kxh8 sehen sollen. Das muss Matt werden.

14.Ld3 Sf6 15.Lxh6 Lxh6 16.Txh6 Txh6 17.Dxh6 Seg8 18.Dg5

18.Dg7 wäre genauer gewesen. Ich hätte mir damit ein kleines Problem erspart. Aber wie konnte ich wissen, dass er Kd7 zieht?

18…Kd7 19.Se5+ dxe5 20.dxe5 Sd5

Jetzt hängt meine Dame mit Schach. In einer Blitzpartie, mit einer Figur weniger, schockierend. Bei Lichte betrachtet gewinnt z.B. 21.f6 leicht, weil 21…Sxc3 wegen 22.Dg4+ nicht geht. Um das zu realisieren, hätte ich aber schon eine bis zwei Minuten gebraucht.

21.e6+?! fxe6 22.fxe6+

Zu meinem Glück stellt sich heraus, dass das den Job knapp auch tut. Auf 22…Kc8 wollte ich 23.Dg7 spielen, mit der Idee 23…Sxc3 24.Tf1, aber 24.e7 wäre noch stärker gewesen. Ich stehe zwar auf Gewinn, aber im Blitz bedeutet das wenig.

22…Kc6 23.e7

Das reicht zum Gewinn. 23.Dd2 hätte auf der Stelle gewonnen, aber sowas sieht man im Blitz nicht.

23…Dd6

23…Sgxe7 24.Le4 ist auch hinüber.

24.Le4 Sxe7 25.Sxd5 Sxd5 26.Txd5 1-0