Kontaktsperre

In den Kalenderwochen 14 und 15 (vom 30. März bis 12. April) des Jahres 2020 sind in Europa 60’000 Menschen mehr gestorben als in sämtlichen von Euromomo erfassten Vorjahren. Das betrifft nicht nur die so genannte Risikogruppe, sondern auch die 15 bis 64-jährigen, von denen 5000 mehr starben als sonst. Vorher und nachher war überhaupt keine Übersterblichkeit festzustellen. Dass dies mit dem Corona-Virus zusammenhängt, steht ausser Frage. Aber wie? Kann es sein, dass das Virus nur in dieser Zeit tödlich war, und nur in ganz bestimmten Ländern, nämlich Italien, Frankreich, Spanien, Belgien, Niederlande und dem Vereinigten Königreich?Dieser Frage bin ich nachgegangen. Die Vorgeschichte können Sie in meinem Artikel zu Corona, Nachtrag vom 13. Mai nachlesen.


Nachdem ich in den letzten Tagen erfolglos versucht habe, verschiedene alternative Medien – bei den etablierten sah ich keine Chance – zu kontaktieren und auch Ärzte ebenso erfolglos angeschrieben habe, habe ich heute, am Sonntag, 17. Mai, beschlossen, das Bundesamt für Gesundheit direkt zu fragen. Ich hoffe sehr auf eine Antwort, das ist ja schliesslich einer der Aufträge dieses Amtes.

Sehr geehrte Damen und Herren,

da in der Presse entweder verzerrt oder gar nicht auf das Thema Übersterblichkeit eingegangen wird, interessiert mich Ihre Meinung zur Euromomo-Statistik https://www.euromomo.eu/graphs-and-maps. Diese Statistik weist in einigen Ländern Europas in KW 14  und 15 eine massive Übersterblichkeit aus. Die Gefährlichkeit des Covid-Virus erklärt diese Tatsache nicht – dann müsste ja im ganzen Beobachtungszeitraum, und vor allem bereits vor dem Beginn der behördlichen Massnahmen eine Übersterblichkeit existiert haben. Dies war in keinem der beobachteten Länder der Fall. Auffallend ist, dass besonders Länder betroffen waren, die eine Ausgangssperre verhängt haben, wobei die Übersterblichkeit erst 2-3 Wochen nach Beginn der Ausgangssperre auftrat, was meiner Meinung nach die Wirksamkeit der Massnahmen in Frage stellt. Zudem ist in einigen Ländern überhaupt keine Übersterblicheit feststellbar, überwiegend in Ost- und Nordeuropa und in Deutschland und Österreich. In der Schweiz wird nur in den italienisch- und französischsprachigen Kantonen eine Übersterblichkeit ausgewiesen. Deshalb liegt für mich die Vermutung nahe, dass selbige nicht auf das Virus selber zurückzuführen ist, sondern auf dessen Behandlung in den Krankenhäusern der betreffenden Länder und Regionen, und zwar mit stark dosierten Immunsuppressiva. Ihrer Stellungnahme dazu sehe ich mit grossem Interesse entgegen.

Mit freundlichen Grüssen
Werner Kaufmann

Nun, das ging erst mal schief. Es ist soeben ein Robotermail eingegangen, mit dem Text

Guten Tag 
Besten Dank für Ihre Nachricht. Wir erhalten täglich sehr viele Fragen zum neuen Coronavirus und zu den angekündigten schrittweisen Lockerungen in Bezug auf Massnahmen zum Schutz vor dessen Ausbreitung. Die Anfragen können nicht individuell beantworten werden. Auf den Webseiten von Bund und Kantonen finden Sie wichtige Informationen, die regelmässig aktualisiert werden. 

Ich habe jetzt an das Corona-Team der ETH geschrieben. Die arbeiten erst morgen wieder. Ich bin mal gespannt.

Montag Morgen 08:13, kam die Antwort

Sehr geehrter Herr Kaufmann

Bitte haben Sie Verständnis, dass wir auf Ihre Email nicht eingehen werden, da diese Hotline ausschliesslich für Angehörige der ETH gedacht ist. Es liegt nicht in unserer Verantwortung, diese Art von Fragen, wie Sie sie stellen, zu kommentieren oder zu beantworten.

Freundliche Grüsse /Kind regards
Maike Heimann
Coronateam

Ich habe darauf folgendes geantwortet:

Sehr geehrte Frau Heimann,

ich verstehe und akzeptiere Ihren Bescheid. Dennoch bitte ich Sie dringend, den Link zum Vademecum per la cura delle persone con malattia da COVI-19 im Sinne Ihrer wissenschaftlichen Verantwortung an Ihr Team weiterzuleiten.

Mit freundlichen Grüssen
Werner Kaufmann

Montag, 18. Mai 1030. Ist es wirklich möglich, dass auch diese Nachricht wiederum in einem schwarzen Loch verschwindet? Ich warte gar nicht erst auf eine Antwort und versuche es weiter:

Sehr geehrter Herr Puhan,

aufgrund der  Euromomo-Statistik und der Zahlen des Bundesamts für Statistik vermute ich, dass in den Kalenderwochen 14 und 15 in vielen Ländern und Regionen (Tessin, Westschweiz) Covid-Patienten fehlbehandelt wurden. Einen möglichen Beleg für diese These finden Sie im Vademecum per la cura delle persone con malattia da COVI-19.

Mit freundlichen Grüssen
Werner Kaufmann

Prof. Dr. Milo Puhan ist Institutsdirektor des Instituts für Epidemiologie, Biostatistik und Prävention der Universität Zürich .

Nun geht das Warten wieder los. Ich hatte das Material Ende der vorletzten Woche beisammen und letzten Mittwoch angefangen, Medien und Ärzte anzuschreiben. Ausser der Absage der ETH und einem höchst unergiebigen Mailverkehr mit Gunnar Kaiser von ‚Kaiser TV‘ ist dabei nichts herausgekommen. Besagter Herr Kaiser hat sich die Euromomo-Statistik kurz mal angesehen und nichts bemerkenswertes festgestellt.

Montag, 18. Mai, 14:30. Zum ersten Mal dieses Jahr durfte ich bei schönem Wetter Tennis spielen. Jetzt ist es Nachmittag, Im Westen nichts neues. Ausser, dass Servus TV meine Anfrage übers Kontaktformular von letzter Woche an diverse ihrer Redaktoren weiter geleitet hat. Der Text lautete „Laut euromomo gab es in den Wochen 14-15 eine massive Übersterblichkeit in vielen Ländern Europas. Diese ist auf eine Fehlbehandlung von Covid-19-Patienten zurückzuführen. Machen Sie was damit, informieren Sie z.B. Herrn Bhakdi über diese Vermutung. Ich belege Ihnen auch gerne, wie ich darauf komme, dass das so ist.“

Ich übersetze jetzt gerade das ominöse Vademecum auf Deutsch, für den Fall, dass sich doch noch jemand dafür interessiert.

Montag 18. Mai, 16:30. So, die Übersetzung ist fertig, vielen Dank an DeepL. Ich habe sie gleich einmal an Prof. Dr. Pietro Vernazza, Chefarzt der Klinik für Infektiologie/Spitalhygiene des Kantonsspitals St. Gallen gesandt, mit einem ziemlich gehässigen Kommentar, auf dessen Wiedergabe ich jetzt verzichte. Er war einer derjenigen, die letzte Woche meine Kontaktversuche ignoriert haben.

Claus Köhnlein hat in diesem Video vom 8. April genau diese Therapiemethode befürchtet, und offenbar war sie bereits im Gang. Die Autorin heisst Jasmin Kosubek und arbeitet unter anderem für Russia Today. Dafür, dass sie nicht Deutsch kann, sind ihre Fragen überraschend klug. Das Video ist ein Ausschnitt aus einem längeren Video, welches von YouTube am 2. April entfernt wurde, muss also schon vor dem Massensterben da gewesen sein.

Die Übersetzung habe ich auch an Wolfgang Wodarg und Fakten zu Covid-19 gesandt. Kommentarlos, die verstehen es auch ohne Kommentar – falls sie es lesen. Wodarg wird wohl gerade mit Mails überflutet, aber wer weiss?

Montag, 18. Mai 20:00. Soeben hat Pietro Vernazza geantwortet: Tut mir leid  Ich kann nicht alle Mails von unbekannten Personen beantworten  Grüsse
Danach habe ich den Titel dieses Beitrags geändert. ‚Brief an das BAG‘ stimmt eh nicht. Der neue Titel ‚Kontaktsperre‘ trifft das heutige Klima eher, physisch wie psychisch.

Montag, 18. Mai 2020, Ich habe die Übersetzung an die ETH gesandt. Die Auskunft war: Guten Abend. Wir gehören der Hotline der ETH Zürich an, die sich um Probleme oder Anfragen unserer Angehörigen kümmert (nur ETH). Bitte richten Sie Ihre Anfrage an andere Stellen, z.B. an das Bundesamt für Gesundheit. Ich danke Ihnen und wünsche Ihnen einen schönen Abend. Katherine Timmel. Auf Italienisch, weiss der Kuckuck wieso. Den Tipp mit dem Bundesamt hätte sich Frau Timmel schenken können, siehe oben.

Dienstag, 19. Mai 4:20. Ich bin aufgewacht und konnte nicht mehr einschlafen, weil ich mich wieder zu sehr aufgeregt habe. Ich habe die Gelegenheit benutzt, an Servus TV zu schreiben:

Hey Leute, ich möchte euch was ganz einfaches in zwei Sätzen sagen. Mein Immunsystem ist alles, was ich gegen eine virale Infektion habe. Wenn man mir das Immunsystem mit Giftcocktails lahmlegt, und ich sonst noch schwer krank bin, dann sterbe ich. In den ersten zwei Aprilwochen sind Zehntausende genau so gestorben.

Das müsste eigentlich jeden Redaktor vom Hocker reissen. Wird es wohl eher nicht tun. Warten wir ab.

Herrn Milo Puhan hatte ich unterdessen die Übersetzung zugesandt. Kein Echo. Das inspirierte mich zu einem kleinen Mail an ihn mit dem Text „Ignoranz ist die höchste Form der Verachtung.“ Mit freundlichen Grüssen, selbstverständlich. Ich werde je länger je giftiger.

„Es liegt im Wesen des Begriffs der Paranoia, dass sie sich auf eine für absolut wahr gehaltene Grundannahme stützt, die, da axiomatisch, den Beweis ihrer Wahrheit nicht erbringen kann und auch nicht zu erbringen braucht. Aus dieser Grundannahme werden dann streng logische Ableitungen gemacht und damit eine Wirklichkeit erschaffen, in der alle Fehlschläge immer nur in den Ableitungen, niemals aber in der Prämisse gesucht werden.“ Paul Watzlawick.

Prämisse: Corona ist tödlich. Das kann zwar nicht bewiesen werden, im Gegenteil, braucht aber auch nicht bewiesen zu werden. Es ist nämlich ein Axiom. Ableitung: Man muss die Ausbreitung verhindern, koste es was es wolle. Das ist Paranoia. Ihre Wirklichkeit ist für Gesunde die Isolation, für Kranke allenfalls eine Therapie mit allerlei weder getesteten noch zugelassenen Medikamenten. Was wäre, wenn Corona nicht tödlich ist, sondern nur seine paranoide Therapie?

Beweisen, dass das Virus harmlos ist, geht auch mit Hunderten Statistiken und Studien nicht. Das scheitert nämlich daran, dass es harmlos ist, weil man es bekämpft. Auch dazu hat Watzlawick etwas zu sagen: Ein Mann klatscht alle zehn Sekunden in die Hände, „um die Elefanten zu verscheuchen“, wie er sagt. „Hier gibt es gar keine Elefanten“, sage ich. Antwortet er: „Na, also! Siehst du?“

Eigentlich habe ich Watzlawick immer für einen Spinner gehalten, weil er glaubte, dass es keine objektive Realität gibt. Nun, ich bin mir unterdessen nicht mehr so sicher.

Ich bin es leid, in schwarze Löcher hinein zu mailen.

Meine Fragen an unseren Corona-Beauftragten Daniel Koch werden fürs Erste unbeantwortet bleiben: „Herr Koch, ist an Corona überhaupt jemand gestorben? Wenn ja, wie viele? Mehr als an einer Grippe? Nein? Dann wenigstens mehr als an Verkehrsunfällen? Auch nicht? Und die, die gestorben sind, sind die am Virus oder an seiner Therapie gestorben? Von mir wird er diese Fragen nicht mehr gestellt bekommen, aber vielleicht von jemand anderem? Warten wir ab.

Wolken steigen am Himmel auf: das Bild des Wartens.
So isst und trinkt der Edle und ist heiter und guter Dinge.


Dieser Artikel wurde unter prominenter Nichtbeteiligung verfasst, unter anderen: BAG, Corona-Team der ETH, Raphael Bonelli, John Ioannidis, Gunnar Kaiser, Roger Köppel, Christoph Pfluger, Milena Preradovic, Milo Puhan, Rubikon, Servus TV, Wolfgang Wodarg, Pietro Vernazza.

Für die Anfragen habe ich mehrheitlich den Text der Einleitung dieses Artikels verwendet oder mich auf das Vademecum bezogen.