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Josef Kupper / Martin Hoffmann

60 Jahre Freude am Kunstschach

Eigenverlag Hoffmann und Kupper, Zürich 2009.

Preis: 15.00 €.

Josef Kupper brauche ich einem Schweizer Schachspieler nicht vorzustellen: Internationaler Meister, mehrfacher Olympiateilnehmer, mehrfacher Landes- und Mannschaftsmeister mit der SG Zürich, Teilnehmer an den legendären Zürcher Turnieren 1959 und 1961 (mit Fischer, Keres und Tal).

Als Problemist hat er Weltruf, obwohl er fast ausschliesslich in der Schweiz publizierte. In der vorliegenden Sammlung stellt er 300 seiner Aufgaben vor, nach Sparten geordnet, Zweizüger, Dreizüger, Mehrzüger, Studien, Hilfsmatts, Selbstmatts und Märchenschachaufgaben.





Eine Partiestudie.

Diese Stellung entstand nach dem 30. Zug in der Partie

Luis Almiron - Pavel Svacek
23. Fernschach-WM, 2007-2009

1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 d5 4.cxd5 Sxd5 5.e4 Sxc3 6.bxc3 Lg7 7.Sf3 c5 8.Tb1 0-0 9.Le2 cxd4 10.cxd4 Da5+ 11.Ld2 Dxa2 12.0-0 Sd7 13.Lb4 Sb6 14.Ta1 De6 15.Db1 Ld7 16.Ta5 Sc8 17.Tc1 Db6 18.e5 a6 19.Da1 Te8 20.Tb1 Lf5 21.Tb2 Dc7 22.Tc5 Dd8 23.Ld2 Le4 24.Sg5 Lc6 25.Lf3 Dxd4 26.Le3 Dd8 27.Td2 Dc7 28.Dd4 Tf8 29.Dg4 Db8 30.Dh3 h6.

Weiss am Zug gewinnt.


Was ist eine Partiestudie?

Zunächst: Es gibt diesen Begriff noch nicht, Sie sehen hier seine Premiere.
  1. Als Partiestudie soll eine Stellung aus einer tatsächlich gespielten Partie, oder einer plausiblen Variante daraus, gelten.
  2. Die Lösung der Studie soll aus forcierten Varianten bestehen.
  3. Duale und sogar Nebenlösungen sind erlaubt, sofern sie nicht trivial sind.


Was ist eine forcierte Variante?

Wladimir Alexandrowitsch Korolkow, 1935.

Diese Stellung ist für Weiss am Zug gewonnen. Schwarz könnte nach 1.d7 eigentlich aufgeben oder beliebige Züge machen. Aber er verteidigt sich so, dass Weiss immer nur einen einzigen Gewinnzug hat. Daraus ergibt sich die Autorlösung:

1.d7 Ke7 2.Tb8 Lxg3 3.Ta8 f1D 4.d8D+ Kxd8 5.La6+ Lb8 6.Lxf1 Kc7 7.La6 e2 8.Lxe2 Kb7 9.Lf3 Kxa8 10.Lxc6#

Alle Züge sind forciert. Ein Dual entsteht z.B. nach 2...f1D 3.d8D+ Kxd8 4.La6+ Kc7, da hier 5.Tb7+ und 5.Lxf1 gewinnen.


Weshalb sollen Duale und sogar Nebenlösungen erlaubt sein?


Diese Stellung entstammt Dworetzkis "Die Unversität der Schachanalyse", New in Chess 2009, €29.90, wo er eine Stellung aus der Partie Leltschuk-Woronowa, UdSSR 1983, auf 14(!) Seiten analysiert. Leider habe ich die gesamte Partie nicht, da sie auf Chessbase nicht zu finden ist. Die Lösung - ich verzichte auf Nebenvarianten - lautet:

1.fxe5 Txd1 2.Txd1 Dc8 3.exf6 Sc7, und jetzt

4.g3 b5 5.Tf1 Se6 6.Tf5+ Sg5 7.Txg5 Kxg5 8.h4+ Kh6 9. g4 und die doppelte Mattdrohung 10.Sf5+ gxf5 11.g5# oder 10.Dg7# gewinnt.

4.De7 De8 5.Td8 Dxe7 [5...Dxd8 6.g4+ wird in spätestens 8 Zügen Matt] 6.fxe7 Te8 7.Sd5 Sxd5 8.Txe8 Ld6 9.Td8

Ich finde die ersten 3 Züge fade, würde sie lieber weglassen und mit dem 4. Zug beginnen. Dann hätten wir statt eines Duals eine Nebenlösung. Diese beiden Lösungen machen aber die Studie erst besonders spektakulär.


Haben Sie eigene Partiestudien gefunden? Bitte senden Sie sie mir zu. Ich sammle solche bereits seit einiger Zeit, und plane sie gelegentlich zu veröffentlichen, zumindest hier. Die ersten Versuche finden sie bereits auf der Damenspringer-Seite.
 

Wernis Schachlade, Werner Kaufmann, Moosmatthalde 19, 6045 Meggen, Tel 041 377 22 42 oder 079 214 43 20.